Rezension: Jenny Downham – ‚Bevor ich sterbe‘

Herausgeber: cbt / Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House
Datum der Erstveröffentlichung: 2007
Titel der Orginalausgebe: “Before I die“
Buchlänge: 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-16002-2

♥ Klappentext:
Die 16-jährige Tessa hat Leukämie, und die Ärzte machen ihr nur noch wenig Hoffnung. Aber Tessa will leben, wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie schreibt an ihre Zimmerwand zehn Dinge, die sie tun will, bevor sie stirbt: Sex haben, Drogen nehmen, für einen Tag berühmt sein, etwas Verbotenes tun…
Und dann trifft sie Adam, und er ist der Erste, der sie versteht. Tessa spürt, dass sie etwas mit Adam verbindet, doch sie wehrt sich dagegen. Und dann begreift sie, dass sie zum ersten Mal verliebt ist. Aber darf man lieben, wenn man stirbt?

 

♥ Meine Meinung:
Die Grundidee des Buches fand ich eigentlich ganz ansprechend: Eine Liste mit den Sachen erstellen, die man vor seinem Lebensende unbedingt noch erleben will.
Die Umsetzung und vor allem die Protagonistin Tessa haben diesen Eindruck leider gänzlich vernichtet. Ich habe mir eine einfühlsame Geschichte über ein Mädchen vorgestellt, dass die letzen Monate ihres Lebens genießen will. Dem war leider nicht so.

Protagonistin:
Ich wurde mit Tessa von Anfang an nicht warm. Auf mich wirkte sie sehr unsympathisch, selbstsüchtig und bockig. Sie wollte ihren Willen durchsetzen, egal ob sie jemanden dadurch verletzt oder vor den Kopf stößt.
Klar, ihre Krankheit ist schrecklich. Sie ist 16 Jahre, hat noch nicht richtig gelebt und geliebt, aber das entschuldigt ihr Verhalten in keiner Weise.

♥ Familie:
Tessa lebt mit ihrem kleineren Bruder beim Vater. Die Mutter ist kurz nach der Krebsdiagnose ihrer Tochter ausgezogen, da sie mit der Krankheit und den damit verbundenen Verpflichtungen und Ängsten nicht zurecht. Dementsprechend angespannt ist auch das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter. Der Vater hingegen versucht alles, um seiner Tochter ein schönes Leben zu ermöglichen. Er opfert sich für sie auf und versucht immer wieder sie aus ihrem Loch zu ziehen, selbst wenn er dafür nur Ablehnung erntet.

♥ Nebencharaktere:
Auch diese empfand ich überwiegend als unzugänglich und widersprüchlich.
Zoey, die “beste Freundin“ von Tessa, verhielt sich ihr gegenüber eiskalt. Ich kann nicht nachvollziehen, was die beiden überhaupt zu Freunden macht. Es gab eine Szene in einem Hotel, in dem Tessa früher mit ihrer Familie war. Genau in dieses fährt sie zusammen mit Zoey (natürlich ohne Führerschein oder Erlaubnis ihres Vaters) um sich an die schöne Zeit vor der Diagnose zu erinnern. In einem Schrank haben Mutter und Tochter damals ihre Initialen verewigt und genau diese möchte sie suchen.
Ein kurzer Lichtblick für mich: Hey, Tessa hat ja doch Gefühle! Aber was sagt die beste Freundin dazu? „Ich fühl mich wie Scheiße und jetzt das? Ein dämlicher Wandschrank! Nicht zu fassen!“.
Joa, nett oder? Auch sonst war sie keine Stütze sondern ehr ein Charakter, der Tessa nur noch mehr nach unten gezogen hat. Ich nehme an, dass das dabei raus kommt, wenn zwei Egoisten befreundet sind.
Kommen wir zu Adam, der Schwarm und die erste große Liebe von Tessa. Leider auch der Tiefpunkt der Geschichte.
So wie ich das verstanden habe wohnen die beiden schon ewig nebeneinander. Man sollte also annehmen, dass man seine Nachbarn wenigstens grob kennt, aber nein, nicht Tessa.
Eines Abends beobachtet sie ihn von ihrem Fenster aus, wie er in seinem Garten arbeitet. Sie ist einsam, geht rüber, die beiden plaudern kurz. Beim zweiten Mal gibt er Ihr Drogen, da es ja auf ihrer To-Do Liste steht. Beim dritten Mal fahren die beiden auf seinem Motorrad durch die Gegend. Die beiden kommen endlich ins Gespräch und er erfährt von ihrer Krankheit. Er sagt ihr, dass er keine Beziehung mit ihr möchte, da er Angst hat sich ernsthaft in sie zu verlieben und verletzt zu werden. Verständlich, nicht so aber für Tessa. Sie ist stinksauer, weil er sie nicht “retten“ will und läuft bockig davon. Und auf diese Weise geht das ewig hin und her: Ich will dich, nein doch nicht, jetzt doch. Sie haben Sex. Sie will, dass Adam bei ihr einzieht (?!) und als dieser ablehnt möchte sie ihm (O-Ton) Krebszellen an den Arsch schmieren. Und er? Er zieht dann doch bei ihr ein. Für mich ist diese Beziehung und der Umgang miteinander null nachvollziehbar.

Leider kann das stilistisch gut gemachte Ende diese für mich katastrophale Geschichte auch nicht mehr retten.
Die Stimmung wird zwar etwas versöhnlicher, Tessa erkennt einige ihrer Fehler. Ja, sie wird mir sogar etwas sympathischer, aber leider 300 Seiten zu spät.

♥ Fazit:
Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum dieses Buch so überschwänglich gelobt wurde. Es gibt eindeutig “bessere“ Bücher, die das schwierige Thema Krebs emotionaler und warmherziger behandeln. Solch eine Geschichte steht und fällt für mich mit den Protagonisten und ihren Nebencharakteren. Ich möchte mitleiden, mitfühlen und weinen. All das konnte ich hier leider gar nicht. Schade, aber ich kann dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

 

6 thoughts on “Rezension: Jenny Downham – ‚Bevor ich sterbe‘

  1. Hey liebes ?
    Schöner Blog ?? hach und dein Header ist wunderschön. Ich hänge immer noch an meinem alten fest weil ich sowas überhaupt nicht hin bekomme ?
    Hach ich freue mich schon auf ganz viele tolle Beiträge ?

    Lg Jessi

    1. Hey Süße,
      das ging ja mal schnell 🙂
      Vielen lieben dank, ja mein Mann hat mir auch geholfen. Ohne ihn würde das auch ganz anders aussehen.
      Ich hoffe echt, dass ich ganz viel zum schreiben kommen werden.
      Einen schönen Abend wünsch ich Dir!

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