Rezension: Meg Heston – ‚Alles so leicht‘

Autor: Meg Heston
Titel: Alles so leicht
Herausgeber: Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Datum der Erstveröffentlichung: 13. Juli 2015
Buchlänge (gebundene Ausgabe): 320 Seiten
ISBN: 978-3-5-222-0215-2
Titel der Orginalausgabe: Paperweight
Preis: HC 19,99€ / Ebook 15,99€
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„Hallo, mein Name ist Stevie, und in zweiundzwanzig Tagen bin ich tot.“

♥ Klappentext:
Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan.

 

♥ Meine Meinung:
Das Buch wird aus der „Ich“ Perspektive der Protagonistin Stevie erzählt. Die Handlungen wechseln sich regelmäßig zwischen der Gegenwart im Therapiezentrum, in dem sich Stevie gerade befindet und der Vergangenheit mit ihrer Familie und Freundin Eden ab.
Ihre Geschichte ist von Anfang an mitreißend, einfühlsam, offen und ehrlich erzählt.
Es gibt keine lange Vorgeschichte zu Stevies Krankheit, keine ausschweifenden Erklärungen, wie sie so dünn geworden ist und warum genau sie so ist wie sie ist.
Man wird einfach mitten in die Geschichte geworfen, die mit ihrer Ankunft in einem Therapiezentrum für Essgestörte beginnt.
Anfangs ist Stevie sehr passiv und lehnt jegliche Nahrung und zwischenmenschliche Beziehungen zu ihrem Therapeuten und ihren Mitbewohnern ab. Sie will nicht hier sein und kann nicht akzeptieren, dass sie irgendjemand daran hindern will an ihrem selbst vorherbestimmten Tag zu sterben.
Sie kämpft gegen sich und ihrem Körper mit einem Hass, der aber langsam bis auf die Wurzeln aufgedeckt wird, je mehr man über Sie und ihre Vergangenheit erfährt.
Der Tod ihres Bruders, an dem sie sich die Schuld gibt und ihre fast schon fanatische Liebe zu ihrer besten Freundin Eden sind mitunter Auslöser für ihren Todeswunsch.

Auch die Nebencharaktere sind sehr glaubwürdig und realistisch beschrieben. Jedes dieser Mädchen hat eine eigene Vergangenheit und Geschichte.
Sie kämpfen gemeinsam, muntern sich gegenseitig auf, helfen sich und durchleben oft das gleiche Gefühlschaos. Doch am Ende muss dennoch jeder für sich alle entscheiden, ob er den Kampf wirklich aufnehmen und gewinnen will. Denn aus dieser Krankheit kommt man nur heraus, wenn man es selbst will.
Auch Stevies Therapeutin Anna war mir von Anfang an sympathisch. Sie hat ihr wichtige Freiheiten gelassen, sie nie bedrängt oder zu viel gefordert. Eine Therapeutin, wie sie sich wohl viele mit dieser Krankheit wünschen würden.

 

♥ Fazit:
„Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, nicht mehr krank zu sein. Es ist so lange her.“
Ein sehr gutes Buch, das sich auf etwas andere Weise mit dem Thema ‚Essstörung’ auseinandersetzt. Es wird nicht detaillier geschildert, mit welchen Methoden und Anstrengungen die Protagonistin es schafft sich fast zu Tode zu hungern.
Es geht vielmehr um ihre die Gefühle und Empfindungen und um den Kampf, der sich in ihrem Kopf abspielt. Magersucht und Bulimie haben viele Gründe und viele scheinen in den Köpfen gesunder Menschen keinen Sinn zu ergeben. Warum tut sich jemand so etwas an? Was denkt sich diese Person eigentlich dabei? Die muss doch einfach nur etwas essen!
Diese Krankheit ist vieles, aber keinesfalls logisch. Meg Heston schafft es dennoch, dass der Leser sich in Stevies Gefühlswelt hineinversetzen kann.
Das Ende ist offen gehalten, was ich aber sehr gut finde. Eine Blitzheilung zum Schluss wäre sehr unrealistisch gewesen. Um wirklich von einer Heilung sprechen zu können, benötigen viele Patienten mehr als 5 Jahre.
Eine Geschichte, die bewegt, aber auch Hoffnung schenkt.
Klare Leseempfehlung!

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