Rezension: Sina Flammang ‘Mädchen aus Papier’

 

Autor: Sina Flammang
Titel: Mädchen aus Papier
Herausgeber: cbt / Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House
Datum der Erstveröffentlichung: 20. 03. 2017
Buchlänge (gebundene Ausgabe): 352 Seiten
ISBN: 3570164608
Preis: HC 16,99€ / Ebook 13,99€
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“Meine Schwester ist das gestohlene Meisterwerk. Ich bin nur die Fälschung.“

Mari ist drei, als ihre Schwester in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. Seit Mari sich erinnern kann, schwebt der Schatten der verlorenen Tochter über der Familie und lässt die Verschwundene beinahe realer scheinen als sie selbst. Als Annika nach zwölf Jahren wie aus dem Nichts wieder auftaucht, sind alle überfordert von diesem Geistermädchen, das verschlossen, unzugänglich und geheimnisvoll ist. Während die Eltern krampfhaft heile Welt spielen, fühlt Mari sich mehr und mehr verdrängt. Bis ihr irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als selbst zu verschwinden. Zusammen mit ihren Freunden Clementine und Ole macht sie sich auf einen irrwitzigen Trip nach Italien – um am Ende doch zurückzufinden.

 

 

 

Es gibt zwei Maris: Eine Tag-Mari, die sich wie eine Puppe verhält und mit ihrer Puppenfamilie in einem Puppenhaus lebt. Alle frühstücken gemeinsam und jeder tut so, als wäre alles normal.
Aber es gibt auch eine Nacht-Mari, deren ältere Schwester Annika in einem Kaufhaus spurlos verschwundenn ist, als sie drei Jahre alt war.
Von ihren Eltern wird diese Situation weitestgehend totgeschwiegen, da keiner so richtig weiss, wie er damit umgehen soll.
Einzig Mari wird in eine Gruppentherapie geschickt, um mit anderen Betroffenen über den Verlust eines nahestehenden Menschen umzugehen. Doch Sie kannte ihre Schwester kaum und die wenigen Erinnerungen an sie sind fast vollständig verblasst.
Doch plötzlich taucht Annika nach zwölf Jahren wieder auf und die Familie, vor allem Mari ist zwischen Angst, Sorge und Misstrauen hin und her gerissen.
Es geht um zwei Schwestern, die erst wieder zueinanderfinden müssen. Es geht um viel verlorene Zeit, um Menschen, die nicht mehr dieselben, aber doch eine Familie sind.

 

 

 

Viele Menschen freuen sich, wenn die Sonne scheint. Es heißt, sie lassen den Körper Glückshormone ausschütten und verhindere Suizide.
Die Sonne “schenkt uns allen Leben“. Aber manchmal, wenn sie mit ihrem arroganten, leeren Gesicht auf mich herunterbrennt, fühle ich mich seltsam alleingelassen und werde plötzlich traurig, ohne dass ich erklären könnte, woher es kommt.Maris Blick auf die Welt ist recht eigensinnig, aber dennoch war sie mir sofort sympathisch. Auch die anderen Protagonisten wirkten sehr authentisch.

Der Schreibstil von Sina Flammangs ist sehr ruhig gehalten, was mich aber zu keiner Zeit gelangweilt hat. Die Geschichte lebt durch genau diese Art und es muss nicht immer laut und rasant zugehen.
Auch die ehr nachdenklich gehaltenen Sätze, die jedes neue Kapitel einleiten haben perfekt zum Gesamtbild gepasst.
Der im Klappentext erwähnte Trip nach Italien spielt in der Story selbst aber kaum eine Rolle.

 

‘Mädchen aus Papier’ ist eine gefühlvolle, ruhige Geschichte, das einem ans Herz geht.
Kindesentführungen sind keineswegs fiktiv. Sie sind real, schmerzhaft kaum in Worte zu fassen.
Ich habe das Buch es sehr gerne gelesen und kann es wirklich weiterempfehlen.

 

Vielen Dank an Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

 

 

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