Rezension Hyeonseo Lee – Schwarze Magnolie – Wie ich Nordkorea entkam

Autor: Hyeonseo Lee
Titel: Schwarze Magnolie – Wie ich Nordkorea entkam
Herausgeber: Heyne Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 10. Juli 2017
Buchlänge: 416 Seiten
ISBN: 3453604334
Titel der Originalausgabe: The Girl with Seven Names
Preis: TB 9,99€ / Ebook 8,99€
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Ihre Kindheit in Nordkorea ist „ganz normal“ – und unvorstellbar: Das Leben von Hyeonseo Lee und das ihrer Familie gehören dem Staat. Es gelten eiserne Regeln, und wer sie nicht befolgt, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Hyeonseo ist sieben Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine öffentliche Hinrichtung miterlebt.
Um wenigstens einmal den Fesseln des Kim-Regimes zu entkommen und kurz die Freiheit zu spüren, schleicht sich Hyeonseo als Teenager heimlich über die Grenze nach China – aber dann ist ihr der Heimweg versperrt. Zehn Jahre lang schlägt sie sich in China als Illegale durch, bevor sie schließlich nach Südkorea gelangt. Endlich in Sicherheit! Doch als sie einen Notruf ihrer Familie erhält, beschließt sie, ihre Mutter und ihren Bruder aus Nordkorea herauszuholen …
Die spannende und berührende Geschichte einer außergewöhnlich mutigen jungen Frau.

 

 

Die einfache Lösung meines Identitätsproblems wäre, zu sagen ich sei Koreanerin, doch ein solches Land gibt es nicht. Einfach Korea existiert nicht.

Geboren in der nordkoreanisch-chinesischen Grenzstadt Hyesan wächst Hyeonseo Lee zusammen mit ihrem Bruder in Nordkorea als Kind einer privilegierten Familie auf, sodass sie von materiellen Nöten nicht so extrem betroffen ist, wie große Teile der Bevölkerung. Die Lebensumstände kommen Hyeonseo lange Zeit “normal“ vor, sie hat nie etwas anderes kennengelernt und auch die ständige Propaganda, die bereits kleinste Kinder beeinflusst, tun ihr Übriges dazu.
Schülern wird jegliches selbstständige oder kritische Denken durch stupides Auswendiglernen abtrainiert und öffentliche Hinrichtungen sowie die ständige Kontrolle durch Agenten des Geheimdienstes “bowibu“ schaffen Lebensumstände, die uns einfach unvorstellbar und menschenverachtend erscheinen.
Doch durch eingeschmuggelte Popmusik und chinesisches Fernsehen bekommt die Fassade ihres Landes ein paar kleine Risse und die damals 17 Jahre alte Hyeonseo beschließt aus reiner Neugierde, den Grenzübergang nach China illegal zu passieren. Was als kleiner Ausflug von nicht mehr als drei Tagen geplant war entpuppt sich als Reise ohne Wiederkehr.
Und so beginnt ihre etwa 11jährige Odyssee durch China, mit etlichen Namensänderungen, schwersten Schuldgefühlen und der ständigen Angst entdeckt zu werden.

 

 

Obwohl “Schwarze Magnolie“ eine Autobiografie ist, liest es sich oft spannender als ein Thriller.
Die Lebensgeschichte von Hyeonseo Lee ist derart voll von dramatischen Ereignissen und unvorhersehbareren Wendungen, dass ich mehrmals das Buch schließen und kurz Durchatmen musste. Aber es sensibilisiert den Leser auch in hohem Maße für die ungeheuerlichen Verbrechen des Kim-Regimes in Nordkorea, dass seit Jahren die Menschenrechte eines ganzen Volkes mit Füßen tritt. Für mich am Erschreckendsten war jedoch die Tatsache festzustellen, dass nicht alle Nordkoreanern, denen eine Flucht gelingt, das Leben in einer modernen Industrienation genießen können. Viele, darunter auch Hyeoseos Familie, kommen mit der neu gewonnenen Freiheit nicht klar und sehnen sich immer wieder nach der Rückkehr in ihr unterdrücktes, aber geregeltes Leben. Und auch wenn das Buch mit einem Happy End schließt, blieb ich doch noch lange nachdenklich, schockiert und traurig zurück.

 

 

Eine Reise voller Angst und Unterdrückung, aber auch Freiheit und Hoffnung.
Unbedingt empfehlenswert!

 

 

♥ Vielen Dank an das Bloggerportal der Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar! ♥

 

 

 

Über den Autor

Hyeonseo Lee, geboren in Nordkorea, lebt heute in Seoul (Südkorea) und ist eine international gefragte Rednerin. Sie sprach schon vor den Vereinten Nationen und auf dem Friedensforum in Oslo. Sie setzt sich für Menschenrechte in Nordkorea und die Belange nordkoreanischer Flüchtlinge ein.

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