Rezension Naomi Alderman – Die Gabe

Autor: Naomi Alderman
Titel: Die Gabe
Herausgeber: Heyne Verlag
Datum der Erstveröffentlichung: 12. Februar 2018
Buchlänge: 480 Seiten
ISBN: 3453319117
Titel der Originalausgabe: The Power
Preis: Broschiert 16,99€ / Ebook 13,99€
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Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

 

 

Was wäre wenn…?
Scheinbar wie aus dem Nichts entwickelt sich bei Mädchen eines bestimmten Alters überall auf der Welt die Fähigkeit Elektrizität mit ihren Fingern auszusenden, anderen Schmerzen zuzufügen, sie zu stimulieren oder gar zu töten.
Was Anfangs nur jungen Frauen vorbehalten war, kann aber schon bald durch einfache Berührungen an alle weibliche Altersgruppen übertragen werden und so breitet sich diese Gabe immer weiter aus. Von da an ändern sich die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern grundlegend und die über Jahrtausende verfestigten Strukturen beginnen zu bröckeln. Doch ist die Welt, regiert von Frauen, nun wirklich eine bessere?

 

 

Zuerst sprachen wir nicht über unsere Schwerzen, weil es nicht männlich war. Jetzt sprechen wir nicht darüber, weil wir Angst haben und uns schämen und allein sind, ohne Hoffnung. Jeder ist allein für sich. Es ist nicht leicht zu bestimmen, wann der Erste der Zweite wurde.

Mit hauptsächlich vier Protagonisten spinnt Naomi Alderman den Bogen über die gesamte „neue Weltgeschichte“: Die missbrauchte Allie, die unter dem Namen Mother Eve zur religiösen Führungsfigur wird. Ganoventochter Roxy, bei der die Gabe am stärksten ausgeprägt scheint. Der Reporter Tunde, der dieses Phänomen für die Nachwelt aufzeichnen will, und Politikerin Margot, die Ausbildungscamps für die Mädchen durchsetzen will.
Eine wirklich interessante Grundidee, die mich aber leider aus mehreren Gründen nicht wirklich überzeugen konnte.
Zum einen gibt es einige Defizite, die es wirklich schwer machen überhaupt in das Buch einzutauchen. Der Plot ist mit seiner Vielzahl an internationalen Brennpunkten sehr weit aufgestellt, was die Zusammenhänge und tieferen Prozesse vielfach unklar lässt. Außerdem hat die schon fast dokumentarische Schreib- und Erzählweise dazu geführt, dass ich mit den Hauptpersonen nie richtig warm wurde. Was im ersten Drittel nicht weiter gestört hat wurde aber mit fortlaufender Geschichte immer schwieriger, da die Protagonisten leider allesamt ziemlich blass blieben, einen wirklichen Bezug konnte ich zu keinem aufbauen.
Mein größter Kritikpunkt überhaupt ist aber die grundlegende Verhaltensweise der Frauen. Das Buch gilt als feministische Dystopie, ob es das wirklich ist, sei mal dahingestellt. Denn wenn man die männlichen Geschlechtsteile durch die Gabe der Elektrizität ersetzt, sind wir immer noch dort, wo wir jetzt stehen. Auch das Männerbild, dass Naomi Alderman hier aufzeigt, ist sehr einseitig. Ich hab wirklich gespannt gewartet, was denn noch so kommen mag, sind Frauen wirklich die besseren Menschen? In diesem Buch tatsächlich nicht, denn die Machtverhältnisse kippen 1:1. Plötzlich sind es die Männer, die Angst haben allein auf die Straße zu gehen. Sie werden vergewaltigt, unterdrückt, zur Dekoration den Frauen an die Seite gestellt und ermordet. Erneut entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Diskriminierungen und Fehlverhalten führt. Mag sein, dass das genauso gewollt ist, aber hiermit macht es sich die Autorin einfach etwas zu leicht.
Es fehlt an zwischenmenschlichen Beziehungen und Feinheiten, die gewisse Entwicklungen plausibel machen.

 

 

Tolle Idee und ein wichtiges Thema, aber leider konnte mich die Story nur sehr wenig berühren.

 

♥ Vielen Dank an das Bloggerportal der Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar! ♥

 

 

Über den Autor

Naomi Alderman ist in London aufgewachsen und studierte in Oxford und an der University of East Anglia. Sie stellt bei BBC Radio 4 „Science Stories“ vor und ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Bath Spa Universität. Als Autorin wurde sie bereits mehrfach mit Preisen für junge Autoren ausgezeichnet. Für Die Gabe wurde ihr der renommierten Baileys Women’s Prize for Fiction verliehen. Naomi Alderman lebt in London.

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